. Oktober 2004
Beschluss
der Vollversammlung des Diözesanrates der
Katholiken
(mehrheitlich beschlossen)
Selbstverpflichtungserklärung der katholischen Kirche und Ihrer dazugehörigen Organisationen und Verbände gegen den Einsatz von grüner Gentechnik
Beschlusstext:
Der Diözesanrat als Teil der
katholischen Kirche nimmt seine von der Bischofskonferenz in der
Veröffentlichung "Der Mensch: sein eigener Schöpfer?-
Wort zu Fragen der Gentechnik und Biomedizin" (Herausgabe: 7.
März 2001) geforderte Begleitung des Fortschritts der
Lebenswissenschaften wahr. Er appelliert an die Katholiken, beim
privaten Verbrauch auf Lebensmittel aus gentechnikfreier Herstellung
zurückzugreifen und als Landwirt gentechnikfrei zu arbeiten.
Die deutsche Bischofskonferenz als
Vertretung der katholischen Kirche in Deutschland wird aufgefordert,
in der aktuellen Diskussion um die Novellierung des
Gentechnikgesetzes (Diskussionsgrundlage ist u.a. die
Freisetzungsrichtlinie der EU aus den Jahren 1990 bzw. 1997 und das
dazu bis jetzt bestehende Moratorium sowie die EU-Verordnung zur
Zulassung, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung gentechnisch
veränderter Lebens- und Futtermittel) eindeutig Stellung zu
beziehen. Inhalt der Stellungnahme soll eine fundiert begründete
Ablehnung eines Einsatzes von Gentechnik aus ethisch-theologischer
Sicht sein.
Die Liegenschaftsverwaltung der
bayerischen katholischen Diözesen mit Dienstsitz in Regensburg
wird aufgefordert, auf landwirtschaftlichen Flächen in
kirchlichem Besitz und Eigentum den Einsatz von gentechnisch
veränderten Organismen (GVO), zum Beispiel Saatgut, zu
verbieten.
Sämtliche kirchliche Einrichtungen, wie zum Beispiel Beleghäuser, werden aufgefordert, auf die Verwendung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln zu verzichten und diese Haltung öffentlich erkennbar machen.
Begründung:
Die KLJB, Mitgliedsverband im
BDKJ, beobachtet seit Jahren intensiv die Entwicklung der grünen
Gentechnik (Veränderung des Erbgutes von Pflanzen). Die
anstehende Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen in
Europa (zum Beispiel Maiszünslerresistenter Saatmais) und der
schleichende Einzug von Gentechnik in unseren Lebensmitteln ohne
öffentliche Diskussion sind der Anlass für den Antrag. Die
Menschheit steht vor einer wegweisenden Entscheidung für die
Zukunft. Sie läuft Gefahr, sich unüberlegt für einen
gefährlichen und falschen Weg der Gentechnologie zu
entscheiden.
Gentechnik folgt dem Prinzip der technologischen
Machbarkeit und betrachtet Lebewesen als zerleg- und veränderbares
Material. Mögliche Konsequenzen für das Öko-System
(zum Beispiel unkontrollierte Vermehrung gentechnisch veränderter
Pflanzen, eingeschlossen umwelt- und gesundheitsschädlicher
Resistenzen) sind zur Zeit nicht überschaubar und wären
darüber hinaus irreversibel. Im Gegensatz dazu sieht Gott das
Wohl des Menschen ganzheitlich und langfristig.
Gentechnologie
widerspricht dem solidarischen Eine-Welt-Gedanken eines christlich
orientierten Menschen. Gentechnologie trägt entgegen der Meinung
von auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Agro-Konzernen nicht zur
Verbesserung der Ernährungssouveränität von
Entwicklungsländern bei. Im Gegenteil: Abhängigkeiten und
Ungerechtigkeiten, die der Armut und dem Hunger zugrunde liegen,
werden verschärft. In einem weltweit kapitalorientierten
Wirtschaftssystem werden rechtswidrig patentierte Technologien die
arme Landbevölkerung in Afrika, Asien und Lateinamerika weiter
zurückdrängen und in ein finanziell total abhängiges
Agrarsystem führen.
Eine Koexistenz von gentechnisch
veränderten und unveränderten Pflanzen ist trotz
zahlreicher Vorkehrungen, wie zum Beispiel Schutzabständen,
nicht möglich. Damit ist die wirtschaftliche Existenz von
zahlreichen Landwirten gefährdet.